Politikberatung und Politikmanagement sind in Deutschland immer noch weitgehend unbekannte Berufsfelder. Die öffentliche Wahrnehmung reduziert sich dabei oft auf primär mediale Wahlkampfberatung oder auf überwiegend akademische Beratungsleistungen von öffentlich finanzierten wissenschaftlichen Einrichtungen. Politikberatung ist hierzulande eng mit Parteien, Verbänden und Stiftungen verflochten und daher stark institutionalisiert und hierarchisiert. Der Anspruch der Politikberatung, zwischen Wissenschaft und der kurzatmigen politischen Praxis zu vermitteln, wird nur selten erfüllt. Oft fehlt es in der deutschen Politikberatungsszene an der Verbindung von politischer Analysefähigkeit mit strategischer Kompetenz, um daraus umsetzbare Konzepte zu entwickeln und eine effektive und flexible politische Steuerung zu ermöglichen. Dieses Defizit wird umso deutlicher, wenn man sich die rasanten Veränderungen in unserer Gesellschaft, vor allem im technologischen Bereich, vergegenwärtigt.
Die Politikberatungsszene in Deutschland befindet sich im Wandel. Die Einflüsse aus den USA und Brüssel haben an diesem Veränderungsprozess großen Anteil. So zeichnet sich beispielsweise immer deutlicher eine Nachfrage nach einem individuellen Lobbying ab, was die Nachfrage nach externer Politikberatung steigen lässt. Durch die Öffnung der Parteien für externe Beratungskompetenz sind die Politikberater und Politikmanager selbst aufgefordert, ihr Profil in der Öffentlichkeit zu schärfen und ein gemeinsames fachliches Selbstverständnis zu entwickeln. Die Auseinandersetzung um die besten Köpfe und Ideen hat auch in die Politikberaterszene viel Bewegung gebracht.
Politikberatung eröffnen sich in Deutschland zunehmend neue Betätigungsfelder. Das Spektrum reicht dabei von Wahlkampf- und Kampagnenberatung, politische Kommunikation, Public Affairs/Lobbying, Politikfeldberatung/strategisch-operative Politikberatung bis zu Strategic Research und Online-Politikberatung. Alle diese Bereiche der Politikberatung bieten ihr Know-how nicht nur den Regierungen, Parlamenten, Ministerien und Verwaltungen an, sondern auch der Wirtschaft und der Zivilgesellschaft.
Gerade die neue Generation der Politikberater möchte hier neue Wege gehen. Professionell, flexibel, netzwerkorientiert und technologiefreundlich sind wichtige Attribute einer neuen Politikberatergeneration, die den Erfahrungsaustausch und das Networking untereinander als Chance versteht, sich gemeinsam national und international zu positionieren.
Ansatz
Im Vordergrund steht der fachliche Austausch jenseits von Parteigrenzen. Die Anerkennung demokratischer Prinzipien ist der zentrale Ausgangspunkt für die angesprochene Zielgruppe. Fairness, Anerkennung des anderen, Offenheit und die Einhaltung der demokratischen Spielregeln bilden die Voraussetzungen für den politischen Wettstreit um die besten Strategien und Ideen. Es ist damit auch unser Ziel, die Demokratie in Deutschland und Europa voranzubringen und gleichzeitig die Beteiligung der Zivilgesellschaft am politischen Prozess zu erweitern.
Ziel
Folgende Ziele und Überlegungen bilden die Grundlage für einen Zusammenschluss der Politikberaterinnen und Politikberater in Deutschland zur "de'ge'pol - Deutsche Gesellschaft für Politikberatung":