Politik – fünf Regeln für Unternehmer

von Dominik Meier, Vorsitzender der de'ge'pol
und Dr. Christian Blum, Consultant bei Miller & Meier Consulting

Für Wirtschaftskapitäne ist wichtig zu verstehen, wie man beim Machtspiel der Politik eine aktive Rolle spielen kann, anstatt nur quengelnder Statist zu sein.

Immer wieder treffen Politiker Grundsatzentscheidungen, die bewusst oder unbewusst gegen alle Regeln der Ökonomie und gegen die Interessen der Unternehmerschaft verstossen: Donald Trumps Wirtschaftskrieg gegen China und die EU, der sich abzeichnende No-Deal-Brexit, die deutsche Energiewende – die Liste liesse sich beliebig fortsetzen. Aus tiefer Überzeugung und unterstützt von Millionen von Bürgern werden massive volkswirtschaftliche Schäden in Kauf genommen, um den Nationalstolz der Bevölkerung zu befriedigen oder ökologische Ziele zu verfolgen. Das bedeutet nicht, dass Volksvertreter Wirtschaftsfeinde wären. Politik und Ökonomie sind nur grundverschieden. Der Anspruch des Politikers ist es, seinem Land zu dienen. Der Anspruch eines Unternehmens ist es, Umsatz zu machen, um zu überleben.

Umso wichtiger ist es für Unternehmenslenker zu verstehen, wie man beim Machtspiel der Politik mitmacht, anstatt nur Statist zu sein. Wirtschaftsvertreter müssen sich auf das Mindset der Politik, ihre Prozesse und Legitimationsbedingungen einlassen. Dafür gibt es fünf einfache Faustregeln.

Sei ein Partner, kein Gegner: Politiker haben – von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen – kein Interesse daran, Unternehmen aktiv zu schaden. Oft kennen sie die Probleme der Unternehmen noch nicht einmal. Sie suchen vielmehr nach ihren Lösungen für gesamtgesellschaftliche Probleme, und dafür brauchen sie externes Know-how und Informationen. Unternehmen, die sich frühzeitig als Partner bei der politischen Problemlösung anbieten, können Politik im Entstehungsprozess aktiv gestalten, anstatt sich im Nachhinein gegen ungewollte Ergebnisse wehren zu müssen.

Sei ehrlich: Die Leitwährung des demokratischen Systems ist Vertrauen. Nichts ist wichtiger für das Funktionieren unserer politischen Prozesse und für die parlamentarische Demokratie. Wirtschaftsakteure, bei denen zwischen Aussagen und tatsächlichen Handlungen ständig eine Lücke klafft, haben über kurz oder lange keine Chance auf Erfolg im politischen Machtspiel.

Achte die Prinzipien des Gemeinwohls: Politiker müssen konkurrierende Gesellschaftsinteressen abwägen, versöhnen und aggregieren, um sich auf diesem Wege dem Gemeinwohl anzunähern. Reine Partikularinteressen, die ausschliesslich auf die Vorteile einer Gruppe abzielen, ziehen in diesem kontinuierlichen Prozess meist den Kürzeren. Unternehmen tun deshalb gut daran, die Gemeinwohlorientierung ihrer Interessen, d. h. die Anschlussfähigkeit und Verallgemeinerbarkeit, plausibel zu machen.

Sei Gastgeber: Wer politische Entscheidungsträger zu sich einlädt – in die Konzernzentrale, in die Abfüllanlage oder in den Werkhof –, der verleiht seinen Interessen eine Anschaulichkeit und haptische Qualität, die keine Website und kein Positionspapier bieten kann. Bei solchen Besuchen wird klar: Hier stehen nicht nur Bilanzen und abstrakte Zahlen auf dem Spiel, sondern echte Menschen und reale Produkte.

Komm runter vom hohen Ross: Meist fallen die wichtigsten politischen Entscheidungen nicht auf der glamourösen Bühne der grossen Politik, sondern auf der Arbeitsebene – in Fachreferaten, Abteilungen von Staatskanzleien, Ausschüssen usw. Wer erfolgreich Einfluss nehmen will, darf sich als CEO nicht zu schade sein, auch das Gespräch mit einem Referatsleiter zu suchen.

Wer sich an diese Handreichungen hält, erfüllt bereits die zentralen Voraussetzungen, um als Business Leader das politische Machtspiel mitzuspielen. Natürlich ist erfolgreiche politische Strategiebildung nicht zuletzt auch eine Frage des akkuraten Timings, des pointierten Messaging und des richtigen Bauchgefühls für künftige Trends und Entwicklungen. Aber diese Fähigkeiten entwickelt man nicht über Nacht oder mit einem Lehrbuch, sondern durch jahrelange praktische Erfahrung. Man erwirbt sie – mit anderen Worten – durch Spielpraxis.


Erschienen in der Neuen Züricher Zeitung (online) vom 08.02.2019